Bismillahi-r-rahmani-r-rahim

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21.12.03 21:54


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21.12.03 21:46


As-salamualeykum zum Block, viel Spass und ich hoffe ihr schreibt mal inschallah!
21.12.03 20:53


As-salamualeykum
Saddam nach Den Haag!
von Uri Avnery
uri avnery.de / ZNet Deutschland 18.12.2003

http://www.zmag.de/artikel.php?id=947

Das Spektakel war ekelhaft.
?Freue dich nicht ?ber den Fall deines Feindes, und dein Herz sei nicht
froh ?ber sein Ungl?ck. Der Herr k?nnte es sehen und Missfallen daran haben
und seinen Zorn von ihm wenden.? So gebietet ein alter j?discher Moralkodex
(Spr?che 24,16) Der Schreiber dieser Warnung wusste nat?rlich, dass sich
jeder h?misch dar?ber freut, wenn sein Feind f?llt. Aber er wollte darauf
hinweisen, dass dies ein h?sslicher menschlicher Zug sei und man versuchen
solle, ihn zu ?berwinden.

Und nun ist eine m?chtige Weltmacht auf dieses niedrige Niveau gefallen.
Wiederholt wurde dieses Spektakel der amerikanischen Soldaten zur Schau
gestellt, wie sie in den Haaren des erb?rmlichen Saddam nach L?usen suchten
und zwischen seinen Z?hnen herumstocherten.

Falls es ?berhaupt m?glich ist, mit einem Mann wie Saddam, der f?r den Tod
von Hunderttausenden verantwortlich ist, Mitleid zu wecken, dann haben die
Amerikaner dies erreicht. Indem sie ihn wie einen drogenbet?ubten
Landstreicher zeigten, haben sie genau das Gegenteil von dem zustande
gebracht, was sie wollten. Der Vatikan hat um Gnade f?r ihn ersucht. Die
?ffentliche Dem?tigung eines arabischen F?hrers ? egal, wie man ?ber ihn
denkt ? weckt die tiefsten Gef?hle der Beleidigung und des Zornes unter
Zehn Millionen Arabern. Diese Gef?hle werden eines Tages ihren Ausdruck in
Gewalt finden. Sie werden viel, viel Blut kosten.

( Vor noch nicht langer Zeit schrieen die Amerikaner zum Gotterbarmen, als
die Iraker einige amerikanische Gefangene zeigten. Aber es scheint in
Washington DC keine Spiegel zu geben.)
Die kindische Story ?ber den riesigen Erfolg der amerikanischen Armee und
der Geheimdienste ist nur l?cherlich. Es ist ziemlich sicher, dass es nur
die Angelegenheit eines gut bezahlten Informanten war.

Ein ge?btes Auge konnte leicht erkennen, wie die ?spontanen?
Freudenausbr?che gestellt waren. Hier eine kleine Gruppe, die
kommunistische Fahnen schwenkte, dort ein paar Dutzend Leute, die wie Affen
vor den Kameras herumsprangen ? wahrscheinlich dieselben Leute, die ein
Jahr zuvor vor Saddams Kameras tanzten. Zwei arabische ?Journalisten?
produzierten bei der sorgf?ltig inszenierten Pressekonferenz des
amerikanischen Generals eine l?rmende Show. Nachdem Winston Churchill einen
schrecklichen Krieg gewonnen hatte, benahm er sich nicht wie George W.
Bush. Nein, er ist kein Winston.

Ich habe in dieser Kolumne seit dem Ende der ?Hauptfeindseligkeiten? nicht
?ber den Irak geschrieben. Ich habe mich beherrscht. Ich wei?, dass es
weder nett noch weise ist, zu sagen: ?Habe ich es euch nicht gesagt?? Aber
es ist sehr schwer, ?ber den Irak zu schreiben, ohne diese sechs W?rter zu
ben?tzen, da fast alle Voraussagen in dieser Kolumne vor und w?hrend des
Krieges sich erf?llt haben, eine nach der anderen. Zum Beispiel:

(Eins) Die Amerikaner ?berfielen den Irak, um dort zu bleiben

Sie ?berfielen ihn nicht wegen des ?internationalen Terrors?. Auch nicht
wegen der ?Massenvernichtungswaffen? - es ist das ?l, das sie dorthin
zieht. Das Ziel der Vereinigten Staaten war nicht, Saddam zu st?rzen und
nach Hause zu gehen, sondern eine dauernde amerikanische Milit?rbasis in
der arabischen Welt zu schaffen, in einem Land, das die zweitgr??ten
ausgewiesenen ?lreserven der Welt hat und das innerhalb der Reichweite der
?lreicht?mer von Saudi Arabien und des Kaspischen Meeres liegt. Inzwischen
ist auch ganz klar: Saddam hatte keinerlei Verbindungen zu Osama Bin-Laden.
Die ?Massenvernichtungswaffen? existieren nicht. Die Amerikaner haben die
Kriegsgr?nde nach dem Geschehen ver?ndert. (?F?hre zuerst einen Krieg ?
danach finde einen Grund!?) Nun soll es darum gehen, Saddam zu eliminieren
und Demokratie in den Irak zu bringen, Gut. Saddam ist nun zur Strecke
gebracht worden ? und die Amerikaner denken gar nicht daran, sich nach
Hause zu bewegen. Die Wahlen k?nnten sofort stattfinden. Aber die
Amerikaner verweigern dies. Sie wollen ihre Marionetten an Ort und Stelle
halten, damit sie die Amerikaner auffordern k?nnen, f?r immer zu bleiben.
Die amerikanische Besatzung wird lange, lange dauern. Sie ist nicht Mittel
zum Zweck. Sie ist der Zweck.

(Zwei) Saddams Sturz wird nicht das Ende des Krieges sein. Es wird der
Anfang sein

Die Voraussage hat sich nun in extremster Weise erf?llt. Kein Volk findet
sich mit ausl?ndischer Besatzung ab. Besatzung erzeugt Widerstand. Damals
erinnerte ich an unsere Erfahrungen im S?d-Libanon. Die vordringenden
Israelis wurden als Befreier willkommen gehei?en; denn sie trieben die
Pal?stinenser weg. Ein paar Monate sp?ter wurden sie von allen Seiten
beschossen; denn sie gingen nicht nach Hause. Nach 18 Jahren und Tausend
get?teten Soldaten, setzten sie sich ? ?mit eingezogenem Schwanz? im Dunkel
der Nacht ab. Die Amerikaner wollen diese einfache Lektion nicht lernen.
Sie sehen sich nicht als Besatzer sondern als Befreier, die dem irakischen
Volk Gutes tun wollen. Sie sind davon ?berzeugt, dass die Irakis ihnen
gegen?ber dankbar sind und sie lieben. Sie tr?sten sich mit einer von ihnen
erfundenen Legende: es sind nicht irakische und arabische Freiheitsk?mpfer,
die die Besatzungsarmee und ihre Kollaborateure angreifen, sondern die
hartn?ckigen Gefolgsleute des b?sen Saddam. Aber nun ist der b?se Saddam
gefangen worden, und es scheint, dass er ?berhaupt keine M?glichkeit hatte,
Operationen von seinem Rattenloch aus zu dirigieren. Saddams Gefangennahme
m?sste das Ende der Legende der hartn?ckigen Loyalisten bringen. Der Irak
befindet sich nun in einer klassischen Kolonialsituation. Ein ausl?ndischer
Eroberer beraubt die einheimische Bev?lkerung ihrer nat?rlichen Ressourcen.
Widerstandsgruppen, von einem gro?en Teil der Bev?lkerung unterst?tzt,
inszenieren gewaltt?tige Angriffe. Vor zweihundert Jahren haben solche
Gruppen den m?chtigen Napoleon in Spanien besiegt. Zu jener Zeit wurde der
Ausdruck ?Guerilla? ( kleiner Krieg) gepr?gt. Was wird nun geschehen? Es
ist leicht voraussagbar: w?hrend man auf Operationen des Widerstandes
reagiert, wird die Besatzung immer brutaler. Das hei?t auch, dass die
Unterst?tzung durch die Bev?lkerung f?r die Guerillas wachsen wird ? und so
weiter. Eine Gewaltspirale, die den Israelis nur allzu bekannt ist. So
geschah es im Libanon. So geschieht es nun in den besetzten
pal?stinensischen Gebieten. Die ?ffentliche Dem?tigung des besiegten
F?hrers wird den Prozess nur beschleunigen.

(Drei) Ein besiegter Saddam wird viel gef?hrlicher sein als ein siegreicher.

Nun erhebt sich die Frage: was soll man mit dem Gefangenen tun? Die
Amerikaner sagten schon, was sie mit ihm tun wollen: ihren irakischen
Marionetten aush?ndigen. So kann er im Irak verurteilt und hingerichtet
werden. Das w?re ein Fehler erster Klasse. Keiner w?rde an die Fairness
einer solchen Gerichtsverhandlung glauben. Sie kann ja gar nicht fair sein
, weil Saddam in einem fairen Prozess die ?ffentliche Plattform ben?tzen
w?rde, um seine eigenen Anklagen vorzubringen, und so w?rde er Hundert
Millionen Araber und andere Muslime erreichen. Das beste w?re, man lie?e
ihn auf die Fidschi-Inseln entfliehen, wo er sein Leben ruhig zu Ende leben
k?nnte wie Idi Amin in Saudi Arabien. Aber George W. Bush ben?tigt die
weitergehende Dem?tigung Saddams f?r seine Wahlkampagne. Der einzig
vern?nftige Weg w?re jetzt, Saddam nach Den Haag zu bringen. In den Augen
der Welt hat er Anspruch auf dieselbe Behandlung wie ein anderer
politischer Massenm?rder, Slobodan Milosevic. Wenn er anders behandelt
wird, w?rde jeder Muslim zu recht den Verdacht sch?pfen, dass es eine
Doppelmoral gebe, eine f?r einen christlichen Europ?er und eine f?r einen
muslimischen Araber. Aber Bush wird so lange nicht zufrieden sein, bis die
Leiche Saddams auf einem ?ffentlichen Platz Bagdads h?ngen wird ?
vielleicht auf demselben Platz, auf dem vorher die Statue stand, die dann
bei einem sorgf?ltig arrangierten TV-Spektakel gest?rzt wurde.

(vier) Die Rede dar?ber, die Demokratie zu bringen, ist heuchlerischer
Unsinn

Um ihre Besatzung aufrecht zu erhalten, brauchen die Amerikaner ein
unterst?tzendes lokales Regime. Um einen Terminus aus der Zeit des 2.
Weltkrieges zu ben?tzen: sie brauchen Quislinge. Als die Briten den Irak zu
ihrem Protektorat machten, kr?nten sie Emir Faisal, einen Nachfahren der
hashemitischen Familie aus Mekka. Um den Irak als ihr eigenes Protektorat
halten zu k?nnen, m?ssen die Amerikaner ihre eigenen lokalen Agenten
kr?nen. Wenn wirklich demokratische Wahlen abgehalten werden sollten,
w?rden die amerikanischen Agenten im Nu hinausfliegen, falls sie nicht
schon vorher gelyncht worden sind. Das ist selbstverst?ndlich. Deshalb wird
es keine demokratischen Wahlen geben. Allgemein gesagt: Demokratie kann
nicht einfach irgendwohin ?gebracht? werden. Sie kann nicht in eine v?llig
andere Gesellschaft mit einer v?llig anderen Kultur verpflanzt werden, als
ob sie ein Baum w?re. Und ein Baum braucht fruchtbaren Boden. Die westliche
Demokratie ist im Laufe von Jahrhunderten organisch gewachsen ? aus der
Dorfgemeinschaft zum nationalen Parlament. Sie unter Zwang in die irakische
Gesellschaft einzupflanzen, die sich auf St?mme und Gro?familien ( Hamulah)
und auf verschiedene Vorstellungen und Traditionen gr?ndet, ist ein
hoffnungsloses Unterfangen.

Was geschah der westlichen Demokratie, als sie in Japan implantiert wurde?
Die ?u?eren Formen blieben intakt, die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
Was geschieht mit der westlichen Demokratie in Russland? Frag einen Russen
? und er wird in schallendes Gel?chter ausbrechen.

(F?nf) Der Irak wird sich in seine Bestandteile aufl?sen

Als wir das vor einem Jahr sagten, sah es wie wilde Spekulation aus. Heute
ist es eine sichere Wette. Nur ein brutaler Diktator wie Saddam war in der
Lage, das Paket zusammenzuhalten. Vor der 1958er-Revolution taten dies die
britischen Kolonialherren. In einer Demokratie hat dies keine Chance. Eine
einfache Tatsache: Die Schiiten sind die Mehrheit. Sie werden regieren. Da
gibt es gar keine Chance daf?r, dass sie ein liberales Regime errichten
werden, nachdem sie so lange von den Sunniten unterdr?ckt wurden. Es ist
unm?glich, dass die Sunniten im Zentral-Irak, die die Schiiten verachten,
ihre ?bermacht akzeptieren. Es ist unm?glich, dass die Kurden im Norden,
die immer f?r ihre Unabh?ngigkeit gek?mpft haben, eine arabische Regierung
akzeptieren ? weder von den Schiiten noch von ihren Glaubensbr?dern, den
Sunniten. Sie akzeptieren mit M?he ihre kurdischen Br?der. Die Amerikaner
k?nnen das Auseinanderfallen des Irak nur durch die Aufrechterhaltung eines
offenen oder eines versteckten Besatzungsregimes verhindern. Sie k?nnten
auch eine k?nstliche Struktur, eine Scheinf?deration errichten, in der der
Irak aus drei autonomen Teilen bestehen w?rde. Aber das w?rde reine
Spiegelfechterei sein. Wenn der Irak aus praktischen Gr?nden zu existieren
aufh?ren wird, wird es in der Region ein neues Gleichgewicht der M?chte
geben. Jahrhundertelang hat der Irak als ?stlicher Schutzwall der
arabischen Welt gedient, ein Bollwerk gegen den Iran ? der niemals die Tage
des Kyros (K?nig von Persien, 539 v.Chr.) vergessen hat, als es (Persien)
Regionalmacht war. Der Fall dieses Bollwerkes w?rde die geopolitische
Situation der ganzen Region, auch Israels, ?ndern. Die Implosion des Irak
w?rde ein Signal f?r allgemeine Anarchie sein: die arabische Welt w?rde in
Aufruhr geraten, die islamischen Fundamentalisten w?rden die arabischen
Regime bedrohen, die Grenze zwischen der T?rkei und dem kurdisch-irakischen
Staat w?rde sich aufheizen, zwischen Israel und Iran w?rde sich vielleicht
eine nukleare Balance des Terrors halten, die Legende des ?internationalen
Terrors? w?rde zur Realit?t werden.

Da es weder nett noch weise ist, zu sagen: ?Das habe ich euch
vorausgesagt?, sage ich es nicht.
21.12.03 20:30





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